Original-Zeitungsartikel


© ProLitteris / Weibel Jürg / Basler Zeitung; 31.01.2001; Nummer 26; Seite 42
Kultur aktuell

«Limón y menta» im Bird's Eye
Salsa-Nacht mit Pep


Die seit einigen Jahren andauernde Begeisterung für kubanische Musik und Salsa ganz allgemein schlägt sich, und das ist einigermassen erstaunlich, nicht nur im rasch wachsenden Zuhörersektor, sondern auch auf der aktiven Seite nieder. Gab es lange Zeit, neben den ad hoc gebildeten Gruppen der Latinos und Exilkubaner, in der Schweiz nur «Picasón», welche sich in der komplexen kubanischen Musik versuchten, so sind es heute Bands wie «Limón y menta», die von sich reden machen: Die 9-köpfige, mehrheitlich aus Baslern, Nordwestschweizern und Südamerikanern gebildete Gruppe trat zum ersten Mal im «Bird's Eye» auf, vor versammelter Gemeinde aus Latinos und Basler Aficionados.

Die Bläsersätze haben Biss und die nötige Schärfe, die Rhythmusgruppe mit Congas, Timbales, Campana und Bongos wirkt eingespielt und präzis. Bass und Keyboards liefern jene Ostinato- und Rhythmusstruktur, die für die Salsa unverzichtbar ist, und Pianist Roland Köppel hat gelegentlich Raum für kurze, meist perkussive Improvisationseinlagen. Lead-Sänger José Luis Cuentas wird von Nummer zu Nummer besser, obwohl er im allgemeinen Schallpegel einen schweren Stand hat. Vor allem im zweiten Set läuft «Limón y menta» zu kompakter Form auf, mit Stücken wie «Puerto Rico» und dem kubanischen Hit «La vida es un carnaval» von Isaac Delgado.

Es wird exakt jene Balance erreicht, welche für gute Salsa typisch ist: Die Interferenz der rhythmischen Ebenen erzeugt im Verein mit Melodik und Bass-Perkussivität einen intensiven, unverwechselbaren Sound. Kein Wunder, dass es da etliche nicht mehr auf den Sitzen hält, weil diese Sauce unfehlbar in die Knochen fährt.

Von den Musikern seien hier der präzise Timbalero Rodrigo Rodriguez sowie Michael Neuenschwander an der Trompete und Adriano de Jorio an der Trombone, beide mit schönen, wenn auch kurzen Soli, erwähnt. Joel Affolter, der zweite Trompeter, wirkte etwas verhalten und hatte an diesem Abend wenig Gelegenheit, das Potenzial zu mobilisieren, das er als Hardbopper mitbringt.
Ein Problem des Konzerts soll hier nicht verschwiegen bleiben: das der akustischen Abstimmung. Aus unerfindlichen Gründen wurden am Abend die von Natur aus kräftigen Perkussionsinstrumente Timbales, Conga und Campana überlaut verstärkt, während sich die Blechbläser um ein einziges hoch angesetztes Mikrophon zu tummeln hatten. Wenn diese den Hörgenuss trübenden Ungereimtheiten beseitigt werden, ist «Limón y menta» bald mehr als ein Geheimtipp in der Salsa-Szene.

Jürg Weibel

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Fricktaler Zeitung, Freitag, 16. August 2002




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Basellandschaftliche Zeitung, Mittwoch, 14. August 2000